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Risiko Armut in Paderborn – ein Thema für den zukünftigen Bürgermeister!

Der Runde Tisch Armut lädt Kandidaten zum offenen Gespräch.

Der Einladung gefolgt sind Verani Kartum (Volt), Elke Süsselbeck (Linke), Alexander Senn (FDP), Michael Dreier (CDU), Klaus Schröder (die Grünen) und Martin Pantke (SPD). Am Runden Tisch Armut arbeiten seit vielen Jahren 17 soziale Institutionen und Einrichtungen Paderborns zusammen“, stellte die Sprecherin Nicole Wiggers den Kandidaten das Gremium vor. „Gemeinsam erreichen wir mehr für die Menschen in unserer Stadt. Wir verstehen uns als Sprachrohr für diejenigen, die sonst nicht gehört werden“, so Wiggers (KIM Soziale Arbeit). Schon fast traditionell lädt der Runde Tisch Armut Bürgermeisterkandidaten ein, um sie nach ihrer Haltung zu konkreten Themen zu befragen. „Wir freuen uns, dass Sie sich unseren Fragen stellen und so Ihr Interesse an sozialen Themen zeigen“, begrüßte Wiggers die Kandidaten.

Von links: Karin Strätling (IN VIA), Martin Pantke, Anke Beniers (SKF), Joachim Veenhof (SKM), Andreas Beisbart (Perthes-Stiftung), Michael Dreier, Nicole Wiggers (KIM), Claudia Richter (Senioreninitiative), Jutta Vormberg (Diakonie), Kathrin Jäger (der Paritätische), Karsten Hentschel (Caritas)

Andreas Beisbarth (Perthes-Stiftung) und Joachim Veenhof (Katholischer Verein für soziale Dienste) lenkten das Thema zunächst auf das Armutsrisiko Wohnen. Steigende Mietpreise, wegfallende Sozialwohnungen, fehlende Wohnungen: der Wohnungsmarkt wird auch in Paderborn immer angespannter. „Dies bekommen ganz besonders Menschen mit geringem Einkommen zu spüren“, beschrieben Veenhof und Beisbart die Situation, mit der sie und ihre Mitarbeiter täglich umgehen müssen.

Alle Kandidaten waren sich darin einig, dass der Wohnungsmarkt in Paderborn insbesondere für Menschen mit geringen Einkünften sehr angespannt sei. In Zukunft müsste noch mehr darauf geachtet werden, 10% der öffentlich geförderten Wohnungen für vordringlich Wohnungssuchende zu reservieren und diese Belegung auch durchzusetzen, mahnte Klaus Schröder. Michael Dreier wies auf weitere wohnungspolitische Maßnahmen hin, die die Stadt im Zuge der neuen Wohneinheiten in den Konversionsflächen umsetzen wolle. Martin Pantke ergänzte, dass es in Paderborn nicht zu ähnlicher Wohnungssituation wie in großen Metropolen kommen dürfe.

Claudia Richter (Senioreninitiative) und Karsten Hentschel (Caritasverband) stellen eindrücklich dar, dass alte Menschen auch in Paderborn im besonderen Maße von Armut bedroht sind. „Es kommt noch hinzu, dass auch Paderborn immer digitaler werden will – wer denkt da an unsere älteren Mitbürger, die so immer weiter abgehängt werden“, mahnt Henschel.

Verani Kartum sprach sich dafür aus, dass bei aller Digitalisierung, der Mensch nicht vergessen werden dürfte. Durch Mehrgenerationenhäuser oder generationsübergreifende Wohngemeinschaften könne man präventiv gegen Vereinsamung und Altersarmut vorgehen. Elke Süsselbeck forderte ergänzend konsumfreie Begegnungsräume für Seniorinnen und Senioren.

An die Alleinerziehenden, die ein sehr großes Armutsrisiko tragen müssen, erinnern Anke Beniers (Sozialdienst Katholischer Frauen) und Karin Strätling (IN VIA Paderborn). Die Herausforderung, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen sind nicht nur in Zeiten von Corona eine große Herausforderung. 62% aller Familien in Paderborn gelingt dieses nur mit viel Energie und Geschick, 12% aller Familien haben hier erhebliche Vereinbarungsprobleme, zitiert Strätling den Kinder- und Jugendberichte der Stadt Paderborn, an dem der Runde Tisch mitgearbeitet hatte.

Von links: Verani Kartum, Karin Strätling (IN VIA), Joachim Veenhof (SKM), Alexander Senn, Andreas Beisbart (Perthes-Stiftung), Nicole Wiggers (KIM), Jutta Vormberg (Diakonie), Elke Süsselbeck, Kathrin Jäger (der Paritätische), Claudia Richter (Senioreninitiative), Anke Beniers (SKF), Karsten Hentschel (Caritas)

Alexander Senn betonte, dass die FDP schon lange fordere, die Randzeitenbetreuung in den

Kindertageseinrichtungen zu erweitern und dass die Bemessungsgrundlage für die Elternbeiträge einer Überarbeitung bedarf – sowohl hinsichtlich höherer Einkommensstufen als auch der Einkommensstufe zur Beitragsfreiheit. Elke Süsselbeck sieht eine komplette Beitragsfreiheit, da Kinderbetreuung eine gesellschaftliche Aufgabe sei. Über die Notwendigkeit einer Ausweitung und Flexibilität der Betreuungszeiten in Kindertageseinrichtungen und Offene Ganztagsschulen waren sich alle einig.  Auch das Ziel Alleinerziehende dabei zu unterstützen Hilfe zu erhalten und Ansprüche geltend zu machen wurde von allen bestätigt. Klaus Schröder und Verani Kartum wiesen darauf hin, dass die Unterstützung dort platziert werden müs

sen, wo Alleinerziehende mit ihren Fragen und Sorgen anzutreffen sind.

Katrin Jäger (der Paritätische) und Jutta Vormberg (Diakonie) schlossen die Runde mit dem letzten, aber nicht weniger brennenden Thema, der Kinderarmut ab. In ihren Einrichtungen stellen sie eine hohe Zunahme finanzieller Unterstützungsanfrage von Familien fest. „Die Pandemie“ hat uns wie unter einem Brennglas gezeigt, welche sozialen Probleme es schon lange gibt“, so Vormberg.

Verani Kartum und Elke Süsselbeck betonten, dass Kinderarmut kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem sei, für das der Staat eine Verantwortung habe. Eltern müssen bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche unterstützt werden, Almosen seien der falsche Weg. Herr Pantke betonte, dass der Kampf gegen Kinderarmut durch einen grundsätzlichen Wandel in der Sozialpolitik erfolgreich sein könne. Auf kommunaler Ebene könne man nur ausbessern. Er verwies auf den aktuellen Kinder- und Jugendbericht der Stadt Paderborn und regte an, Bilanz zu ziehen und gemeinsam weitere Ideen zu entwickeln.

Klaus Schröder unterstützte die Forderung des Runden Tischs nach einer unbürokratischen Unterstützung von Familien bei den Ausgaben für die Schule und plädierte dafür, weg zu kommen von Einzelfallüberprüfungen, die zur Stigmatisierung der Kinder führe.

Schröder, Pantke und Dreier betonten, dass auch bei der erwarteten finanziell schwierigen Lage der Kommune, der Bereich „Soziales“ nicht gekürzt, sondern z.B. im Bereich Schulsozialarbeit eher noch ausgebaut werden soll. Auch Alexander Senn sprach sich für mehr Schulsozialarbeit an Paderborner Schulen aus.

„Das war ein sehr fruchtbarer und interessanter Austausch.“ Darüber waren sich alle Beteiligten einig. Der Runde Tisch Armut bleibt am Ball - gegen Armut in Paderborn – auch nach der Wahl.