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Paderborn Obdachlose brauchen in Paderborn mehr Wohnraum

Symbolbild: Die Sozialdienste in Paderborn verzeichnen immer mehr Obdachlose. | picture alliance / dpa Obdachlos in Paderborn: Sozialdienste wünschen sich eine Quote für neue Bauvorhaben

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24.02.2017 | Stand 24.02.2017, 09:43 Uhr

 

Paderborn. Mietschulden, psychische Probleme, Alkohol, Drogen - es gibt viele Gründe, warum Menschen irgendwann auf der Straße landen. In Paderborn kümmern sich vor allem zwei Sozialdienste um diese Klientel: Der SKM - Katholischer Verband für soziale Dienste in Deutschland als Fachverband der Caritas und KIM Soziale Dienste. Beide registrierten im letzten Jahr ein weiteres Anwachsen ihrer Klientel.

Man sei mit seinen Unterbringungsmöglichkeiten inzwischen am Limit, berichteten jetzt Joachim Veenhof (SKM) und Günter Helling (KIM) vor dem Sozialausschuss des Stadtrates. Die allgemein angespannte Lage am Wohnungsmarkt zeitige nun auch Rückwirkungen auf sozial besonders schwache Menschen.

Günter Helling: "Wenn es dann mal jemanden aus den Reihen der Obdachlosen gibt, der sich gut entwickelt hat und der angemessenen Wohnraum braucht, dann ist ihm nicht damit gedient, dass er eine dunkle Einraumwohnung in einem Keller bekommt." Helling sprach sich in diesem Zusammenhang dafür aus, bei der Planung neuer Baugebiete generell 30 Prozent der Wohnungen für sozial Benachteiligte vorzusehen.

Dazu zählten auch Rentner, Behinderte, Studenten und andere mit geringem Einkommen. Nach Angaben von SKM-Geschäftsführer Joachim Veenhof gingen im letzten Jahr insgesamt 453 Menschen auf die Fachberatungsstelle des SKM in der Kapellenstraße mit der Bitte um Hilfe zu, davon 14 Prozent Frauen. Das seien 21 Personen mehr als im Vorjahr.

Dort bekommen Obdachlose auch ihren Tagessatz an staatlicher Unterstützung - eine Möglichkeit, von der am Tag des Berichtes vor dem Ausschuss 20 Personen Gebrauch gemacht hätten. Die SKM-Übernachtungsstelle in der Wollmarktstraße mit 30 Plätzen (26 für Männer, vier für Frauen) sei am Tag des Berichts von sechs Männern und einer Frau belegt worden.

2016 sei sie von 81 verschiedenen Menschen genutzt worden, davon neun Frauen, sagte Veenhof. 44 der 81 seien Paderborner Bürger gewesen, die dort eine bis drei Nächte geblieben seien. Diese seien danach wahrscheinlich privat untergekommen oder auch in einem "wilden" Zeltlager. 31 Menschen hätten bis zu 100 Nächte beim SKM geschlafen, sechs noch länger.

Zum Kreis der durch den Verein KIM - Soziale Arbeit betreuten Menschen gehörten 2016 nach Angaben von Geschäftsführer Günter Helling 235 Personen. 85 Menschen, davon ein Drittel obdachlos, suchten regelmäßig die Kontaktstelle am Busdorfwall auf; 2015 seien es noch 76 gewesen.

45 von den 85 Menschen befanden sich wegen Suchtproblemen und 14 wegen psychischer Probleme in ambulanter Behandlung; zehn seien in Regie des Vereins in möblierten Zimmern vorübergehend untergebracht, 38 lebten in Wohngruppen. Die Notunterkunft am Busdorfwall für zwölf Männer und acht Frauen (auf einer eigenen Etage) sei durchweg belegt, so Helling.

Im zweiten Halbjahr 2016 habe man 128 mal Menschen in der Notunterkunft abweisen müssen. 2016 hätten es mit Hilfe der Sozialarbeiter immerhin zehn Menschen aus dem Kreis der KIM-Klientel in eine eigene Wohnung geschafft.

Helling: "Aktuell haben wir fünf Leute, die wohnfähig sind und die auch aktiv suchen. Für diese Menschen brauchen wir unbedingt kommunale Unterstützung, damit sie es in ein eigenständiges Leben schaffen."

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